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Why to f***ing stop Catcalling!

Female Empowerment Equality
*WERBUNG/Enthält bezahlte Affiliate-Links.»Schöne Show«, schreibt er mir. Er, der sich letzten Monat bei uns auf ein WG-Zimmer beworben hat, er, der mir völlig fremd ist und er, der jetzt anscheinend in der Wohnung gegenüber wohnt. Ich blicke verdutzt auf mein Handy, denke mir zunächst nichts dabei und frage ihn, was er damit meine. »Das warst doch Du, die schöne nackte Frau* am Fenster, die sich gerade eingecremt hat.« Ich brauche einen kurzen Moment, bis die Nachricht zu mir hindurchsickert, bis ich realisiere, dass der anzügliche Text nicht mir, sondern meiner Mitbewohnerin galt, die sich gerade nebenan umzieht. Mir wird schlecht und ich merke, wie hilflos ich mich fühle. Fassungslos schicke ich ihm den Link zu einem Video, das auf Catcalling aufmerksam macht, versuche, meine wütende Antwort damit zu stützen. Doch selbst nach dem Blockieren der fremden Nummer, bleibt beim Blick auf den gegenüberliegenden Balkon ein fahler Beigeschmack zurück. Jeden Tag, seit einem Jahr.

Es sind Situationen wie diese, die uns bei finance, baby! beschäftigen, nicht loslassen, mit denen wir uns immer wieder konfrontiert sehen. Deshalb möchten wir Dich auf Catcalling aufmerksam machen, Dich dafür sensibilisieren und uns gemeinsam dagegen starkmachen!

Catcalling – Definition

Unter Catcalling versteht man sexuelle, verbale Äußerungen, vielmehr Übergriffe, von Männern* auf Frauen*, oftmals in Anspielung auf den weiblichen* Körper oder das äußere Auftreten. Wichtig: Der Angriff erfolgt einseitig, denn hier sprechen wir von Belästigung. Ob auf der Straße oder im Netz über Social-Media, Dating-Apps & Co., die Bandbreite übergriffigen Verhaltens reicht von einfachem Hinterherpfeifen, anzüglichen Sprüchen bis zu unangebrachten Komplimenten im beruflichen Umfeld. Besonders Anspielungen am Arbeitsplatz auf das heiße Outfit, die tolle Figur oder den tiefen Ausschnitt verwenden Catcaller*, um ihre Machtperson auszunutzen, um Frauen* zu degradieren, die sich in solchen Situationen aus Angst vor einer Kündigung nicht wehren können.
Frauen* gewöhnen sich an die Belästigungen, greifen am Abend doch lieber zum Hoodie als zur bauchfreien Bluse, räumen den kurzen Rock wieder in den Schrank oder binden sich als Schutz vor anzüglichen Kommentaren einen Pullover um die Taille.
 



Ich wohne an einer großen Straße. Möchte ich das Haus zum Einkaufen verlassen, komme ich nicht daran vorbei, diese zu überqueren. Hunderte Autos die Minute rasen täglich auf der vierspurigen Fahrbahn vorbei, im Sommer mit heruntergekurbeltem Fenster, mit offenem Cabrio-Verdeck. Nähere ich mich der roten Ampel, merke ich bereits, wie mein Magen verkrampft. Blick geradeaus, stur nach vorne gerichtet, die Hand um mein Mobiltelefon geklammert, die Jacke nochmal über die Knie gezurrt oder doch lieber die Kopfhörer in die Ohren – hilft nicht. »Boah, geil!«, »Hey, Hübsche!« oder »Ey, schau doch mal!«, jede Woche, jedes Mal, ob in Jogginghose, Kleid oder Wintermantel.

Catcalling ist KEIN Kompliment

»Darf man Frauen* jetzt keine Komplimente mehr machen?«, »Warum führst Du dich denn so auf? Wir flirten doch nur!« oder »Das ist doch nicht meine Schuld, wenn Du ein so enges Kleid trägst«, lauten gängige Reaktionen von Catcallern*, konfrontiert man sie mit ihrem unangemessenen Verhalten. Wir von finance, baby! finden: NEIN, das versteht sich nicht als Kompliment und bleibt übergriffig, NEIN, Flirten fühlt sich anders an und NEIN, das ist ganz allein die Schuld des jeweiligen Catcallers*. Denn to be catcalled, passiert nicht auf Augenhöhe, ohne Einverständnis oder Einladung. Catcaller* reduzieren Frauen* auf ihren Körper und ihr Aussehen, übertragen Weiblichkeit in einen sexuellen Kontext, schaffen einen Rahmen der Selbstverständlichkeit. Aufgrund des geringen Selbstbewusstseins versuchen Catcaller* auf patriarchale Strukturen zurückzugreifen, um Frauen* zu erniedrigen und sich selbst mittels versuchter Dominanz auf eine höhere Stufe zu stellen.

Catcalling – und jetzt?

Catcalling gehört bei vielen Frauen* mittlerweile zum Alltag – auch wir von finance, baby! kennen das leider viel zu gut. Unsere Botschaft an Dich klingt zunächst simpel, liegt uns dennoch auf dem Herzen: Du musst Catcalling nicht tolerieren, die Schuld nicht bei Dir suchen, nicht damit aufhören, kurze Kleider zu tragen, und wir machen das auch nicht! Catcalling gilt es als solches wahrzunehmen, darauf aufmerksam zu machen und es als gesellschaftliches Problem zu markieren. Antonia Quell, eine Studentin aus Fulda, initiierte 2020/21 eine Online-Petition, um Catcalling auch in Deutschland strafbar zu machen. Bekanntlich existiert hierfür derzeit noch kein eigener Straftatbestand im deutschen Strafgesetzbuch. Länder wie Frankreich verhängen für Catcalling bereits seit 2018 Geldstrafen in Höhe von 750 € bis 1500€, um sexuelle Belästigung ohne Anfassen zu bestrafen und einen Diskurs zu schaffen. Zudem findet man Instagram-Kanäle wie @Catcallsofnyc* (endlich) für jede Stadt, die Feminist:innen, die mit Kreide Catcalling-Statements am Ort des Geschehens hinterlassen, eine Plattform geben. Profile wie @antiflirting2* teilen hingegen eingereichte Chat-Verläufe der Community, um sich gegen sexuelle Belästigung im Netz zu positionieren. In Situationen, in denen Du selbst Catcalling erfährst, raten Expert:innen, sich zunächst in Sicherheit zu bringen. Konkret heißt das: Pass‘ Dein Verhalten der jeweiligen Situation und vor allem Deinen Bedürfnissen an. Es geht völlig in Ordnung, Catcaller* zu ignorieren, keine Angriffsfläche zu bieten, zur Rede stellen, in bedrohlichen Situationen Passant:innen oder die Polizei hinzuzuziehen – die Hauptsache: Du fühlst Dich mit Deiner Reaktion wohl und sicher!
Zum Artikel über mehr Female Empowerment im Alltag!
Unsere Vision bei finance, baby! besteht darin, Frauen* zu empowern, zu unterstützen, uns für unseren Purpose einzusetzen. Schau‘ hierfür gerne auf unserem Instagram-Kanal vorbei oder vernetze Dich in unserer finance, baby! Academy mit über 300 starken Frauen*.

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