60 Euro für eine Stunde Arbeit – ist das viel oder wenig? Die Antwort hängt davon ab, was von diesen 60 Euro tatsächlich übrig bleibt. Für einen Angestellten und einen Selbstständigen kann derselbe Betrag eine völlig unterschiedliche Bedeutung haben.
Wenn du auf eigene Rechnung arbeitest, musst du mit deinem Honorar nicht nur deinen Lebensunterhalt finanzieren. Du trägst auch laufende Kosten, übernimmst wirtschaftliche Risiken und musst Zeiten ausgleichen, in denen keine Einnahmen entstehen.
Deshalb lohnt es sich, den eigenen Stundensatz nicht aus dem Bauch heraus festzulegen. Mit einer nachvollziehbaren Berechnung erkennst du, welchen Umsatz jede bezahlte Arbeitsstunde mindestens erwirtschaften sollte.
Der Stundenlohn Rechner
Überschlage hier einen passenden Stundenlohn für deine erbrachte Leistung:
Stundensatz berechnen
Wie viel muss eine abrechenbare Stunde einbringen?
Stundenlohn und Stundensatz sind nicht dasselbe
Die beiden Begriffe werden häufig gleich verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Dinge.
Der Stundenlohn bezeichnet üblicherweise die Vergütung, die jemand für eine geleistete Arbeitsstunde erhält. Der Stundensatz eines Unternehmens ist dagegen der Preis, der einem Kunden für eine bestimmte Arbeitsleistung berechnet wird.
Dieser Preis muss mehr abdecken als die eigentliche Tätigkeit. Er enthält beispielsweise Anteile für betriebliche Aufwendungen und die Finanzierung des Unternehmens.
Stell dir zwei Personen vor, die beide 50 Euro pro Stunde erhalten. Die erste arbeitet angestellt, die zweite stellt ihren Kunden 50 Euro netto in Rechnung.
Während beim Angestellten verschiedene Arbeitgeberkosten zusätzlich zum Bruttolohn anfallen, muss die selbstständige Person sämtliche betrieblichen Ausgaben aus ihren Einnahmen finanzieren. Ihr verbleibender Verdienst kann deshalb erheblich niedriger sein.
Ein hoher Rechnungsbetrag bedeutet nicht automatisch ein hohes persönliches Einkommen.
Die wichtigste Kennzahl: Umsatz pro abrechenbarer Stunde
Für die wirtschaftliche Planung ist vor allem interessant, wie viel Umsatz du in der Zeit erzielen kannst, die Kunden tatsächlich bezahlen.
Dabei kommt es weniger auf deine vertragliche oder geplante Wochenarbeitszeit an als auf deine tatsächliche Auslastung.
Vielleicht bist du acht Stunden täglich beschäftigt, kannst davon aber nur fünf Stunden einem Kunden in Rechnung stellen. Die übrige Zeit benötigst du für Besprechungen, organisatorische Tätigkeiten oder die Vorbereitung neuer Aufträge.
Dann müssen die fünf bezahlten Stunden ausreichend Geld einbringen, um auch die anderen drei Stunden mitzufinanzieren.
Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Betrachtung eines gewöhnlichen Stundenlohns.
So setzt du ein monatliches Umsatzziel fest
Ein sinnvoller Ausgangspunkt ist die Frage, welchen Betrag dein Unternehmen durchschnittlich jeden Monat erwirtschaften muss.
Beginne mit deinem gewünschten verfügbaren Einkommen. Ergänze anschließend die laufenden geschäftlichen Ausgaben, die Kosten deiner persönlichen Absicherung und die voraussichtlichen Steuern.
Dazu kommt ein Betrag, der im Unternehmen verbleiben kann. Solche Mittel werden beispielsweise für geplante Anschaffungen oder als Liquiditätspuffer benötigt.
Bei unregelmäßigen Einnahmen ist es hilfreich, mit Jahreswerten zu arbeiten. Denn gerade bei einer projektorientierten Tätigkeit können einzelne Monate besonders umsatzstark sein, während in anderen nur wenige Rechnungen geschrieben werden.
Dein Umsatzziel sollte deshalb nicht davon abhängen, dass jeder Monat perfekt läuft.
Beispiel: Wie sich dein Stundensatz aus dem Jahresziel ergibt
Nehmen wir an, du möchtest mit deiner selbstständigen Tätigkeit einen jährlichen Netto-Umsatz von 84.000 Euro erzielen. Darin sind die kalkulierten betrieblichen Ausgaben, dein persönlicher Finanzbedarf und die vorgesehenen Rücklagen bereits berücksichtigt.
Du rechnest mit insgesamt 1.400 Stunden, die du deinen Kunden im Laufe des Jahres berechnen kannst.
Die Berechnung lautet:
84.000 Euro ÷ 1.400 Stunden = 60 Euro netto je Stunde
Bei dieser Auslastung benötigst du also durchschnittlich 60 Euro pro abrechenbarer Stunde, um dein gesetztes Umsatzziel zu erreichen.
Doch was passiert, wenn du weniger Aufträge erhältst oder einzelne Projekte deutlich mehr interne Arbeit verursachen als geplant?
Warum deine Auslastung den Preis stark beeinflusst
Viele geschäftliche Ausgaben bleiben bestehen, unabhängig davon, wie viele Stunden du verkaufen kannst. Die Miete wird nicht günstiger, weil ein Kunde einen Auftrag verschiebt. Auch bestimmte Versicherungen und Software-Abonnements laufen weiter.
Das bedeutet: Wenn sich deine abrechenbare Zeit reduziert, muss jede verbleibende Stunde einen höheren Anteil deines Umsatzbedarfs tragen.
Für einen angestrebten Jahresumsatz von 84.000 Euro ergeben sich beispielsweise folgende Werte:
| Abrechenbare Stunden pro Jahr | Benötigter Netto-Stundensatz |
|---|---|
| 1.600 Stunden | 52,50 Euro |
| 1.400 Stunden | 60,00 Euro |
| 1.200 Stunden | 70,00 Euro |
| 1.000 Stunden | 84,00 Euro |
Die Zahlen verdeutlichen einen wichtigen Zusammenhang: Je geringer deine abrechenbare Auslastung, desto höher ist der notwendige Preis pro Stunde.
Wenn du diesen Effekt nicht berücksichtigst, kann ein vermeintlich ausreichendes Honorar schnell zu einer finanziellen Lücke führen.
Kannst du deinen Stundensatz durch effizienteres Arbeiten senken?
Grundsätzlich ja. Wenn du dieselbe Leistung in weniger Zeit erbringst oder einen größeren Anteil deiner verfügbaren Arbeitszeit abrechnen kannst, verbessert sich deine betriebliche Produktivität.
Das heißt aber nicht, dass du deinen Preis automatisch reduzieren solltest.
Angenommen, du benötigst für eine bestimmte Dienstleistung bisher fünf Stunden. Durch bessere Abläufe schaffst du dieselbe Qualität künftig in vier Stunden.
Bei einem unveränderten Stundenhonorar würde dein Rechnungsbetrag sinken. Für den Kunden wäre die Leistung günstiger, obwohl er dasselbe Ergebnis erhält.
Hier kann es sinnvoll sein, statt einer reinen Stundenabrechnung einen festen Projektpreis zu vereinbaren. So wird nicht ausschließlich die benötigte Zeit vergütet, sondern die vereinbarte Leistung.
Welche Abrechnungsform besser geeignet ist, hängt unter anderem davon ab, wie genau du den Arbeitsumfang im Voraus einschätzen kannst.
Stundensatz oder Festpreis: Welche Abrechnung passt besser?
Ein Stundenhonorar bietet sich besonders dann an, wenn der tatsächliche Aufwand vorab schwer vorherzusagen ist. Das kann etwa bei Beratung, laufender Betreuung oder Arbeiten mit unklaren Anforderungen der Fall sein.
Ein Festpreis eignet sich dagegen eher für Leistungen mit einem klar definierten Umfang.
Beide Modelle haben Vor- und Nachteile.
Abrechnung nach Stunden
Du kannst den tatsächlich angefallenen Zeitaufwand berechnen. Allerdings möchte der Kunde häufig vorher wissen, mit welchen Gesamtkosten er rechnen muss.
Außerdem steigt dein Umsatz nicht automatisch, wenn du schneller und effizienter arbeitest.
Abrechnung zum Festpreis
Der Kunde kennt den vereinbarten Betrag im Voraus. Wenn du den Auftrag schneller abschließt als geplant, verbessert sich dein effektiver Stundenverdienst.
Benötigst du dagegen deutlich länger, sinkt er.
Deshalb solltest du auch bei einem Pauschalangebot intern mit einem realistischen Stundensatz rechnen.
Eine saubere Stundenkalkulation ist nicht nur für Stundenhonorare wichtig, sondern ebenso für wirtschaftlich tragfähige Festpreise.
Was sagt dir die Gewinnschwelle?
In der Finanzplanung wird häufig von der Gewinnschwelle oder dem Break-even-Point gesprochen. Damit ist der Punkt gemeint, an dem die relevanten Erlöse die zugehörigen Kosten vollständig decken.
Für deine Preisplanung kannst du diesen Gedanken auf die Arbeitszeit übertragen.
Wenn du beispielsweise monatlich 3.000 Euro betriebliche Fixkosten hast und pro abgerechneter Stunde nach Abzug unmittelbar zurechenbarer variabler Kosten 50 Euro zur Deckung dieser Fixkosten verbleiben, benötigst du 60 solche Stunden, um die Fixkosten zu decken.
Erst darüber hinaus entsteht ein zusätzlicher Beitrag zur Finanzierung weiterer Ausgaben und zum Gewinn.
Wichtig ist allerdings, dass der Break-even nicht mit dem gewünschten persönlichen Nettoeinkommen verwechselt wird. Welche Kosten in die Berechnung gehören, hängt davon ab, ob du nur das Unternehmen oder deine gesamte selbstständige Tätigkeit einschließlich persönlichem Finanzbedarf betrachtest.
Umsatzsteuer verändert den Rechnungsbetrag, nicht deinen Nettoerlös
Bei der Preisplanung solltest du zwischen Netto- und Bruttopreisen unterscheiden.
Wenn du umsatzsteuerpflichtig bist und beispielsweise 80 Euro netto für eine Arbeitsstunde berechnest, ergibt sich bei 19 Prozent Umsatzsteuer ein Bruttobetrag von 95,20 Euro.
Die 15,20 Euro Umsatzsteuer sind grundsätzlich kein zusätzlicher Gewinn. Sie gehören zur umsatzsteuerlichen Abrechnung mit dem Finanzamt, wobei gegebenenfalls Vorsteuerbeträge zu berücksichtigen sind.
Bei der Kleinunternehmerregelung und bei bestimmten Leistungen gelten andere umsatzsteuerliche Vorgaben.
Für die wirtschaftliche Kalkulation solltest du grundsätzlich den Netto-Umsatz betrachten, sofern du umsatzsteuerpflichtig mit Vorsteuerabzug arbeitest.
Wie erkennst du, ob dein Preis langfristig funktioniert?
Eine einmalige Berechnung liefert dir einen Ausgangswert. Ob dieser Stundensatz im Alltag ausreicht, zeigt sich jedoch erst durch die tatsächlichen Geschäftszahlen.
Vergleiche deshalb regelmäßig deine geplanten und tatsächlich erzielten Umsätze. Schaue dir außerdem an, wie viele Stunden du für Kunden gearbeitet hast und welcher Anteil deiner Zeit intern angefallen ist.
Daraus lässt sich dein tatsächlich erzielter Netto-Umsatz je abrechenbarer Stunde bestimmen.
Liegt dieser Wert unter deinem kalkulierten Ziel, lohnt sich eine genauere Prüfung. Möglicherweise waren einzelne Aufträge zu günstig, du hast unerwartet viel Zeit benötigt oder dein Betrieb hatte weniger Auslastung als vorgesehen.
Ein einzelner schwächerer Monat ist noch kein Grund zur Sorge. Wenn die Abweichung dauerhaft besteht, solltest du deine Planung jedoch anpassen.
Drei Stellschrauben für eine bessere Kalkulation
Wenn deine Zahlen nicht zusammenpassen, bleiben im Wesentlichen drei Möglichkeiten.
1. Kostenstruktur überprüfen
Prüfe wiederkehrende Ausgaben darauf, ob sie noch notwendig und wirtschaftlich sinnvoll sind. Besonders bei mehreren kleinen Abonnements oder selten genutzten Dienstleistungen können sich im Jahresverlauf größere Beträge summieren.
2. Abrechenbare Kapazität erhöhen
Vereinfachte Verwaltungsabläufe, bessere Terminplanung und eine konsequente Dokumentation der Arbeitszeit können dazu beitragen, dass mehr Kapazität für bezahlte Aufträge zur Verfügung steht.
3. Preise gezielt anpassen
Wenn deine Kosten angemessen sind und die Auslastung bereits gut ist, kann ein höherer Stundensatz erforderlich sein.
Entscheidend ist dabei, ob der Markt diesen Preis trägt und dein Angebot einen entsprechenden Nutzen bietet. Nicht jede Leistung lässt sich beliebig teuer verkaufen.
Was du aus dem Stundenlohn-Rechner mitnehmen solltest
Der errechnete Stundensatz ist kein feststehender Marktwert deiner Arbeit. Er zeigt dir, welchen Preis du bei den eingegebenen Annahmen durchschnittlich benötigst, um dein finanzielles Ziel zu erreichen.
Besonders hilfreich ist es, im Rechner verschiedene Szenarien zu vergleichen. Wie verändert sich das Ergebnis, wenn du weniger Stunden abrechnen kannst? Was passiert bei höheren Fixkosten? Und welchen Unterschied macht ein zusätzlicher Rücklagenbetrag?
Solche Fragen sind für die Finanzplanung oft aufschlussreicher als die Suche nach einem vermeintlich üblichen Stundenlohn in deiner Branche.
Ein guter Stundensatz verbindet deine eigenen wirtschaftlichen Anforderungen mit einem Preis, den Kunden für deine Leistung zu zahlen bereit sind. Erst wenn beide Seiten zusammenpassen, entsteht ein tragfähiges Geschäftsmodell.

