Gendermedizin - Wieso Frauen anders krank sind

Gendermedizin - Wieso Frauen anders krank sind

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Unser Geschlecht hat einen großen Einfluss auf unsere Krankheit und Gesundheit. Die Gendermedizin beschäftigt sich mit geschlechtsspezifischen Unterschieden zwischen dem weiblichen und dem männlichen Körper. Wusstest du, dass Frauen in klinischen Studien unterrepräsentiert sind und bei vielen Symptomen oft eine ganz andere Behandlung benötigen als Männer? Wir von finance, baby! waren auf jeden Fall geschockt! Deshalb haben wir etwas recherchiert, um euch einen ersten Überblick über dieses riesige, aber wie wir finden wahnsinnig spannende Fachgebiet zu geben. 

Wieso Frauen anders krank sind – Ein Beispiel anhand unseres Immunsystems

Vielleicht hast du schon einmal etwas von der obligatorischen „Männergrippe?“ gehört? Geschlechterklischees gab es leider schon immer, aber so weit hergeholt wie wir selbst immer dachten, ist dieses Klischee des erkälteten Mannes gar nicht. Den Männer-Schnupfen gibt es nämlich wirklich: Aktuell erkranken mehr Männer an Covid-19 als Frauen, was daran liegen kann, dass Frauen ein aktiveres und stärkeres Immunsystem als Männer haben.

Leider ist die geschlechtsspezifische Medizin bisher noch sehr wenig erforscht. Eine These dafür, könnte laut Wissenschaftlern allerdings die fruchtbare Phase der Frau sein, die ein intaktes und verlässliches Immunsystem erfordert, um das Kind im Mutterleib zu schützen. Eine weitere Erklärung liege laut Wissenschaftlern darin, dass das körpereigene Abwehrsystem von Geschlechtshormonen beeinflusst wird. Während bei Männern das Hormon Testosteron auf das Immunsystem einwirkt, ist es bei Frauen das Hormon Östrogen, das nicht nur dafür verantwortlich ist, weibliche Geschlechtsorgane zu bilden, sondern auch das Immunsystem anzukurbeln. Faszinierend? Das finden wir auch – und das war noch längst nicht alles, baby!

 

Gendermedizin - Wieso Frauen anders krank sind

Von Männer- und Frauenkrankheiten

Im Laufe der Geschichte wurden einige Krankheiten als Frauen- oder Männerkrankheiten abgestempelt. Wie gefährlich das ist, sehen wir am Risiko eines Herzinfarktes, das von Frauen nicht selten unterschätzt und von vielen Ärzten zu spät erkannt wird.

Ähnlich wie bei Männern, zählt der Herzinfarkt mittlerweile auch unter Frauen als häufigste Todesursache.  

Hierbei unterscheiden sich allerdings die Symptome, die auf einen Herzinfarkt hinweisen, zwischen Männern und Frauen deutlich. Sie sind letztendlich auch dafür verantwortlich, dass ein Herzinfarkt bei Frauen meist zu spät erkannt wird. Frauen beklagen bei einem Herzinfarkt häufig über Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Schmerzen im Bauch. Da wir einen Herzinfarkt aber an den uns bekannten, typischen (männlichen) Symptomen wie Herzrasen oder einen stechenden Schmerz in der Brust ausmachen, rückt die Gefahr eines Herzinfarktes bei typischen (weiblichen) Symptomen vorschnell in den Hintergrund und man macht Magen- oder Darmkrankheiten für die Beschwerden der Frau verantwortlich.

Nicht nur die Symptome, sondern auch der Zeitpunkt des größten Herzinfarktrisikos unterscheidet sich bei Männern und Frauen. Während bei Männern Herz-Kreislauf-Krankheiten ab dem 35. Lebensjahr eine der Haupttodesursachen sind, sind Frauen meist erst nach den Wechseljahren gefährdet. Danach gleich sich ihr Risiko dem der Männer zunehmend an.

Der Mann als medizinischer Standard

Bestimmt denkst du jetzt, dass es zur Normalität und Selbstverständlichkeit gehören sollte, Frauen und Männer medizinisch unterschiedlich zu behandeln. Der Gendermedizin wurde lange keine Aufmerksamkeit geschenkt und sie steht auch heute noch nicht immer unbedingt verpflichtend auf dem Lehrplan. Der Mann ist noch immer Standard in der Forschung, auch in der Medizin.    

Auch, wenn es darum geht neue Medikamente zu entwickeln, werden Frauen häufig nicht mit in die Forschung eingebunden. Laut einer Studie der amerikanischen AIDS-Studiengruppe (Cotton et al. 1993) seien Frauen als auch Afroamerikaner als Population in den Studien mit neuen Medikamenten deutlich unterrepräsentiert. Ganz konkret bedeutet das, dass Dosierung und Einnahme von Arzneimitteln nicht für den weiblichen Körper ausgelegt sind. Stattdessen orientiert sich die Pharmaindustrie an einem Standard: dem des Mannes. Entscheidend sind hier Faktoren wie der unterschiedliche Hormonhaushalt, der Stoffwechsel, die Körpergröße- und Masse, sowie die Verteilung zwischen Muskelmasse, Fett- und Wassergehalt, die von denen eines Mannes abweichen. Nebenwirkungen sind also faktisch schon vorprogrammiert. Besserung ist allerdings in Sicht: In Deutschland müssen Wirknachweise für Frauen wie Männer seit 2004 erbracht werden – das leider aber auch nur für Medikamente, die neu auf den Markt kommen.  

Im Laufe der Geschichte wurden einige Krankheiten als Frauen- oder Männerkrankheiten abgestempelt. Wie gefährlich das ist, sehen wir am Risiko eines Herzinfarktes, das von Frauen nicht selten unterschätzt und von vielen Ärzten zu spät erkannt wird.

Zusammenfassend hoffen wir, dass klar geworden ist, dass wir von geschlechtersensibler Medizin alle nur profitieren können.  

Nicht selten werden wir falsch verstanden, wenn wir von einer gleichberechtigen Welt sprechen, in der die Bedürfnisse der Frauen und Männer gleichermaßen berücksichtigt werden. Eine geschlechtersensible Medizin trägt nicht nur maßgeblich dazu bei, dass Frauen richtig behandelt werden, sondern auch, dass sich die Forschung und damit die medizinische Versorgung für beide Geschlechter besser entwickelt.

 

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