Short Squeeze – einfach erklärt
- Beim Leerverkauf werden Aktien verkauft, die der Verkäufer nicht besitzt.
- Ein Short Squeeze kann entstehen, wenn besonders viele Leerverkaufspositionen in einem Wertpapier bestehen.
- Steigt der Kurs einer stark geshorteten Aktie überraschend, müssen Leerverkäufer oft schnell zurückkaufen, um Verluste zu begrenzen.
An der Börse kommt es ständig zu Kursbewegungen – mal nach oben, mal nach unten. Eine Ursache für plötzliche Anstiege kann der sogenannte Short Squeeze sein. Was genau dahintersteckt, erfährst du hier.
Leerverkauf als Ausgangspunkt
Ein Leerverkauf (Short Selling) ermöglicht es, eine Aktie zu verkaufen und sie später günstiger zurückzukaufen. Vor allem institutionelle Investoren wie Banken nutzen diese Strategie, um auf fallende Kurse zu setzen. Dabei wird die Aktie zu einem hohen Preis verkauft, in der Hoffnung, sie später zu einem niedrigeren Kurs zurückzukaufen und so einen Gewinn zu erzielen.
Beispiel: Eine Aktie kostet 100 €. Der Verkäufer leiht sich 100 Stück, verkauft sie sofort und erhält 10.000 €. Fällt der Kurs auf 75 €, kauft er die Aktien für 7.500 € zurück und gibt sie zurück – der Gewinn beträgt 2.500 €. Steigt der Kurs dagegen, entstehen Verluste.
Was ist ein Short Squeeze?
Ein Short Squeeze entsteht, wenn der Kurs einer stark leerverkauften Aktie überraschend und deutlich steigt. Leerverkäufer geraten dadurch unter Druck, ihre Positionen zu schließen, um Verluste zu begrenzen. Das geschieht durch Rückkäufe – was wiederum die Nachfrage erhöht und den Kurs noch weiter steigen lässt. So entsteht eine Art Kettenreaktion.
Ablauf eines Short Squeeze
- Leerverkäufer leihen sich Aktien, verkaufen sie und hoffen auf sinkende Kurse.
- Steigt der Kurs unerwartet, müssen sie zurückkaufen, was die Preise zusätzlich antreibt.
- Weitere Käufer springen auf, wodurch der Kurs in kurzer Zeit stark ansteigen kann.
Wie erkennt man einen Short Squeeze?
Ein wichtiger Indikator ist der sogenannte „Short Interest“ – der Anteil der leerverkauften Aktien im Verhältnis zur Gesamtzahl der ausgegebenen Aktien. Ein sehr hoher Wert kann auf ein mögliches Short-Squeeze-Potenzial hinweisen.
Auch technische Indikatoren wie der Relative Strength Index (RSI) helfen, überverkaufte Märkte zu erkennen. Werte unter 30 gelten als überverkauft und können zu Käufen führen, die einen Short Squeeze auslösen.
Beispiele
- Tesla: Anfang 2020 stark leerverkauft – positive Nachrichten führten zu einem schnellen Kursanstieg und lösten Rückkäufe aus.
- GameStop 2021: Privatanleger organisierten sich online, kauften massenhaft Aktien und zwangen Hedgefonds zum Rückkauf – der Kurs stieg in kurzer Zeit um über 1.200 %.
- Volkswagen 2008: Porsche erhöhte seinen Anteil an VW, wodurch nur wenige Aktien verfügbar waren. Leerverkäufer mussten zu Höchstpreisen zurückkaufen, der Kurs sprang auf über 1.000 €.
Risiken beim Handel mit Short Squeezes
Hohe Leerverkaufsquoten bedeuten nicht automatisch steigende Kurse. Oft gibt es fundamentale Gründe für den Abwärtstrend einer Aktie. Wer auf einen Short Squeeze spekuliert, setzt auf starke Kursbewegungen – das kann hohe Gewinne, aber auch große Verluste bedeuten.
Fazit
Short Squeezes können extreme Kursanstiege auslösen, sind aber schwer vorherzusagen und mit hohem Risiko verbunden. Für Privatanleger empfiehlt sich diese Strategie nur mit Erfahrung und fundiertem Wissen.